Stadtarchiv erhielt historische Dokumente

Blomberg. Unterlagen aus der Geschichte der Blomberger Stuhl- und Möbelindustrie sind dem Stadtarchiv zur dauerhaften Dokumentation übergeben worden.

Bei den Dokumenten handelt es sich um Produktkataloge, Preislisten und Schriftstücke der Stuhlfabrik der Gebrüder Schröder aus den 1920er-Jahren.

Die Brüder Ludwig und Karl Schröder gründeten 1906 die Stuhlfabrik an der Neuen Torstraße 102. Heute befindet sich an ihrem Standort die Tischlerei von Ulrich Wächter. Wächter war es auch, der die Papiere ans Stadtarchiv übergab.

»Die Unterlagen waren mir einfach zu schade, um sie wegzuschmeißen. So bleiben die Papiere nun für die Nachwelt erhalten«, berichtete Ulrich Wächter, Enkelsohn des Mitgründers Ludwig Schröder.

Archivar Dieter Zoremba freut es besonders, dass die gut erhaltenen Unterlagen einer kleinen Fabrik, die sich zur damaligen Zeit neben zirka fünf großen Unternehmen behaupten musste, ihren Weg ins Archiv gefunden haben: »Das ist eine ganz wertvolle Ergänzung zu den Unterlagen aus großen Möbelfabriken«.

Das Besondere sei vor allem das Marketing, das die kleine Firma, die 1926 gerade einmal fünf Mitarbeiter verzeichnete, betrieben hat. »Vor etwa 100 Jahren haben die großen Betriebe auch schon Werbemittel gestaltet und ihren eigenen Vertrieb gehabt. Die hatten aber auch rund 200 Angestellte. Die Brüder Ludwig und Karl Schröder müssen hingegen sehr geschäftstüchtige Menschen gewesen sein, wenn sie genauso agierten und produzierten wie die Großen«, vermutet Dieter Zoremba nach eingehender Sichtung der Unterlagen.

Damit meint der Stadtarchivar vor allem den Produktkatalog mit beiliegender Preisliste. Daraus geht hervor, dass der einfachste und kostengünstigste Stuhl der Firma bei 3,40 Mark lag. Zum Vergleich: Ein Arbeiter hatte 1925 einen durchschnittlichen Tagesverdienst von rund vier Mark; ein Kilo Butter lag damals bei 2,50 Mark.

Außerdem liegen den Unterlagen Umrisse der Fabrik von 1912 bei. Interessant daran sind die Einzeichnungen: Erst seit knapp 100 Jahren verfügt Blomberg über ein E-Werk, also über elektrisches Licht. In den vorliegenden Bauplan wurde damals die Stromleitung für jeden Raum mit einem simplen Strich eingezeichnet. Die Glühbirne wurde mit einem roten Kreuz markiert.

Soweit Ulrich Wächter, als Enkel des Gründers, weiß, wurde die Stuhlfabrik bis kurz nach Kriegsende geführt. Danach habe sich der kleine Handel, aufgrund der großen Holz-Unternehmen in Blomberg, nicht mehr gelohnt. Zu dieser Zeit stieg dann auch Vater Paul ins Geschäft ein und verlagerte den Fertigungsschwerpunkt auf Kleinmöbel sowie Bau- und Innenausbau.

Im Jahr 1972 trat Ulrich Wächter in die Fußstapfen seines Großvaters und Vaters und übernahm den Betrieb. Die vierte Generation steht bereits in den Startlöchern.

Ulrich Wächter und Stadtarchivar Dieter Zoremba (von links) tauschen sich über die historischen Dokumente der Stuhlfabrik »Gebrüder Schröder Blomberg« aus. Foto: © brink-medien

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