Eine »Lebenslängliche Reise«

Blomberg. Der Heimatverein Blomberg präsentiert die Ausstellung »Lebenslängliche Reise – Fred Herzberg«, die noch bis zum 9. April in der Blomberger Stadtbücherei zu sehen ist und das Schicksal jüdischer Jungen und Mädchen, die Deutschland durch einen sogenannten Kindertransport verlassen haben, beleuchtet.

Im Fokus steht dabei Fred Herzberg, der mit 17 Jahren einer dieser Jugendlichen war und nach England migrierte. Der Plan, seine Familie nachzuholen, scheiterte. »Das Interessante an der Ausstellung ist, dass wir den Fokus auf eine Familie gelenkt haben, die ihren Stammsitz in Kleinenmarpe hatte und das einer geht, um die Angehörigen zu retten«, erzählt Historikerin Gudrun Mitschke-Buchholz, die die Ausstellung im Auftrag des Stadtarchivs Detmold erarbeitete. Auf rund zehn Tafeln können Besucher den bewegenden Lebensweg von Fred Herzberg nachlesen.

Eine der Grundlagen dieser Ausstellung waren Briefe, die Fred Herzberg über Jahre mit seiner Familie in Deutschland schrieb. Joanne Herzberg (Foto oben), Tochter des jüdischen Migranten, fand genau diese nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 2008. »Mein Vater hat nie viel über seine Vergangenheit gesprochen«, erklärt die Betroffene. »Er wollte sich nicht an das erinnern, was passiert war. Ihn quälte täglich die Frage, warum er überlebt hat und seine Familie nicht«, so Joanne Herzberg.

Dass Kinder den Mut hatten zu gehen, und die Eltern den Mut, ihre Kinder gehen zu lassen, sei für sie unvorstellbar. »Doch aufgrund dieser Kindertransporte bin ich heute hier«, erzählt sie. Die Kindertransporte wurden von jüdischen Gemeinschaften und Hilfsorganisationen in England geplant. »1938 war das noch eine Möglichkeit zu gehen, denn die Nationalsozialisten wollten die Juden einfach nur aus Deutschland vertreiben«, ergänzt Mitschke-Buchholz. Die einzige Bedingung sei damals gewesen, dass die Migranten dem englischen Staat nicht zur Last fallen.

Joanne Herzberg hat gemeinsam mit ihrer Mutter, die ebenfalls mit Hilfe eines Kindertransportes fliehen konnte, Reisen nach Deutschland unternommen. Diese stießen auf Unverständnis beim Vater. »Er hat uns nie etwas erzählt und ich bin nach Deutschland gefahren, um zu erfahren, wer er wirklich ist«, so Joanne Herzberg.

Neben der Ausstellung, die montags und mittwochs von 15 bis 18 Uhr und donnerstags von 10 bis 13 Uhr und 15 bis 18 Uhr zu sehen ist, hält Gudrun Mitschke-Buchholz am Donnerstag, 15. März, um 19.30 Uhr einen Vortrag zum Thema »Kindertransporte im Nationalsozialismus« und erläutert den Lebensweg von Fred Herzberg ausführlich. An diesem Abend wird auch Joanne Herzberg vor Ort sein und weitere Erinnerungen an ihren Vater mit den Besuchern teilen.

Erhard Oerder, Vorsitzender des Heimatvereins, stellvertretende Bürgermeisterin Ursula Hahne-Eichhorn, Joanne Herzberg, Dr. Bärbel Sunderbrink, Stadtarchivarin in Detmold und Historikerin Gudrun Mitschke-Buchholz freuen sich über die interessante Ausstellung in der Stadtbücherei. Fotos: © brink-medien

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