Deppermann ist Seelsorger aus Überzeugung

Blomberg. Jörg Deppermann ist nicht nur als Pfarrer der Evangelisch-lutherischen Kirche in Blomberg für Taufen, Vermählungen oder Beerdigungen zuständig. Seit anderthalb Jahren ist der 52-Jährige auch einer von 24 Notfallseelsorgern in Lippe. Außerdem ist er neuerdings als Fachberater Seelsorger für die Blomberger Feuerwehr zuständig.

»Ich wurde vor einigen Jahren zu einem häuslichen Todesfall gerufen und habe dort einen ersten Eindruck von einer solchen Notfallsituation bekommen«, erklärt er die Anfänge seines Wirkens. »In solchen Situationen, wenn Angehörige einen geliebten Menschen verlieren, sieht man, dass eine Seelsorge notwendig ist«, ist der gebürtige Bad Salzufler überzeugt.

Deshalb nahm er vor etwa zwei Jahren den Kontakt zu Christoph Pompe, damaliger Leiter der Notfallseelsorge Lippe, auf und absolvierte daraufhin eine zehntägige Fortbildung, um sich für den Dienst des Seelsorgers zu qualifizieren. Nach der abgeschlossenen Ausbildung arbeiten die Seelsorger mit Hilfseinrichtungen zusammen. So ist Jörg Deppermann mit der Feuerwehr-Leitstelle in Lemgo verbunden und teilt diesen mit, wann er dienstlich zur Verfügung steht.

Bei Bedarf werde er von den Einsatzkräften kontaktiert und begleite beispielsweise Polizeibeamte auf dem schwierigen Weg, Angehörigen, die Todesnachricht eines geliebten Menschen zu überbringen. »Diese Nachrichten stellen das Leben vollkommen auf den Kopf. Ich bin dann da, verbringe Zeit mit den Betroffenen und zeige ihnen, dass sie nicht alleine sind. Manchmal wird auch nur geschwiegen«, schildert Deppermann die Situation.

In den anderthalb Jahren, die der dreifache Familienvater nun schon als Notfallseelsorger im Dienst ist, wurde er zu sieben Einsätzen gerufen. »Zunächst bin ich angespannt, weil man nie weiß, was auf einen zukommt. Dann spürt man, wie das Adrenalin durch den Körper strömt und man ganz aufmerksam wird«, schildert der Theologe seine Gefühlswelt während eines Notfalls. Die größte Herausforderung seien für ihn dabei Einsätze, in denen Kinder involviert sind.

Während er als Notfallseelsorger betroffene Angehörige versorgt, hilft er als Fachberater Seelsorger bei der Feuerwehr ausschließlich den Einsatzkräften. »Was die Feuerwehrmänner jeden Tag aufs Neue für uns Bürger leisten ist enorm. Und wir nehmen es meistens einfach so hin. Aber deren Arbeit ist anstrengend und kann belastend sein. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, den Dienst des Seelsorgers für Einsatzkräfte aufzunehmen«, erklärt der Pfarrer.

Dabei gehört es zu seinen Aufgaben, Feuerwehrleute zu betreuen, wenn in den eigenen Kreisen etwas passiert ist oder aber wenn sie Einsätze erleben, die sie psychisch nicht mehr loslassen. »Für die Männer und Frauen ist es nicht leicht, wenn das Opfer verstirbt und man zuvor alles getan hat, um dem Menschen sein Leben zu retten«, weiß Deppermann.

Dabei gebe es Feuerwehrmänner, die denken, sie hätten das Erlebte verarbeitet. Im nächsten Einsatz, der dem Vorherigen eventuell ähnelt, kommen jedoch alte Gefühle hoch und die Menschen blockieren vollkommen. Dann ist es am Wehrführer, den Kameraden abzuziehen. Der Fachberater kümmert sich anschließend um den Betroffenen und hinterfragt die Situation. »Dann haben sie hoffentlich das Vertrauen in einen und reden über das, was sie so belastet und gemeinsam versuchen wir das Erlebte aufzuarbeiten«, erklärt der Seelsorger den weiteren Verlauf.

Um die Tätigkeit als Fachberater, einer von insgesamt zehn in Lippe, ausführen zu können, ist Jörg Deppermann in die Blomberger Feuerwehr eingetreten und wurde kürzlich bei der Jahreshauptversammlung von Wehrführer Joachim Hartfelder zum Feuerwehrmann ernannt. Im kommenden Jahr wird der Hobby-Wanderer einen fünftägigen Kurs in Münster besuchen, um ein Zertifikat vom Institut der Feuerwehren (IdF) zu erhalten. Seine Tätigkeit darf er aber schon jetzt ausüben, da er über die Grundausbildung eines Seelsorgers verfügt.

Joachim Hartfelder ist sehr glücklich über diese Unterstützung in seinem Kreis. »Ich finde es ganz toll zu wissen, dass wir jemanden haben, an den wir uns wenden können, wenn einer unserer Kameraden arg in Mitleidenschaft gezogen wurde. Wir sehen Jörg Deppermann als große Bereicherung für unser Team an«, so der Blomberger Wehrführer. Um ein vertrautes Verhältnis zu den Kollegen aufzubauen, wird der Notfallseelsorger zukünftig auch Mitgliederversammlungen beiwohnen.

Jörg Deppermann (links) und Joachim Hartfelder arbeiten zukünftig eng zusammen. Foto: © brink-medien

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