Schüler erweiterten Schuhmacherwerkstatt

Blomberg. In einem kleinen Raum im Obergeschoss der Blomberger Stadtbücherei findet sich Geschichte zum Anfassen.

Der Schriftzug »Leder-Werk«, der über dem Türrahmen angebracht ist, gibt einen ersten Hinweis darauf, was Besucher hier erwartet. »›Leder-Werk‹ ist der Name der Ausstellung, die 15 Schüler der Sekundar- und Pestalozzischule in Blomberg eigenständig geplant haben«, erklärt Sabine Rott, die die Jugendlichen bei ihrer Arbeit als pädagogische Leiterin unterstützt hat.

Damit stellt diese Präsentation, die im Projekt »Museum macht stark« des Bundesministeriums für Bildung und Forschung angesiedelt ist, eine Erweiterung zur Dauerausstellung »Zeig her deine Schuh…« des Heimatvereins Blomberg dar, die an das historische Schuhmacherhandwerk in Blomberg erinnert.

In der hinteren Ecke des Raumes steht eine aus Holz geschaffene Konstruktion. »Das ist ein Gerberbaum. Hier wurde damals das Fell drüber gelegt, um es besser bearbeiten zu können«, erklärt Armin (Foto rechts), der gemeinsam mit seinen Mitschülern an dem Ausstellungsprojekt gearbeitet hat, und demonstriert, wie die Schuhmacher vorgegangen sind.

Daneben steht eine große Vitrine, die weitere kleine Werkzeuge zeigt, die damals zur Lederherstellung verwendet worden sind. Außerdem zieren Schautafeln die Wände, die die einzelnen Schritte des Gerbens verdeutlichen – von der rohen Haut bis zum fertigen Leder. Besucher der Ausstellung können außerdem den Fühltest machen. Auf einem Tisch liegen dafür verschiedene Lederarten aus.

Rund sechs Monate lang haben die Jugendlichen zum Thema »Gerben in Blomberg« recherchiert. Dafür haben sie das Stadtarchiv besucht, um historische Dokumente zu durchstöbern und Informationen zusammenzutragen. Unter anderem fanden die Jungen und Mädchen heraus, dass auch in der heutigen Stadtbücherei einmal gegerbt wurde.

Daneben habe es drei weitere Häuser in der Nelkenstadt gegeben, in denen die Schuhmacher dieser Aufgabe nachgegangen seien. Neben den theoretischen Recherchen sind die Jugendlichen auch praktisch in das Arbeitsleben eines Schusters getaucht. »Wir haben selber ein echtes Schaffell gegerbt«, berichten die Schüler stolz.

»Das Gerben in Blomberg war zur damaligen Zeit wirklich eine Besonderheit«, weiß Stadtarchivar Dieter Zoremba, der die jungen Kuratoren während der vergangenen Wochen unterstützt hat. »Entgegen der Gesetze andernorts durften die hiesigen Schuhmacher ihr eigenes Leder gerben und konnten so sehr günstige Schuhe produzieren«, so Zoremba weiter. Daher war es für den Heimatverein Blomberg keine Frage, dass dieser Aspekt der Lederherstellung in der Ausstellung zur Schuhmacherwerkstatt einen Platz benötigt.

Anfang 2018 hat der Heimatverein Blomberg einen Förderantrag beim Deutschen Museumsbund und beim Bundesministerium für Bildung und Forschung gestellt. Es wurden Fördergelder bewilligt, sodass das Schuh-Werk in Kooperation mit dem Blomberger Jugendzentrum, der Pestalozzischule, der Sekundarschule Blomberg und dem Stadtarchiv fortgeführt werden konnte.

Mit der Ausstellungseröffnung haben die Schüler das Projekt abgeschlossen und ein Zertifikat für ihre Arbeit als Junior-Kurator erhalten. Im März startet dann eine neue Jugendgruppe in die zweite Runde. »Daher gibt es bewusst noch Lücken in der Ausstellung zum Leder-Werk, die es dann zu füllen gilt«, sagt Rott.

Lara Madeleine (links) und Jana zeigen an der Fühlstation die verschiedenen Arten von Leder. Besucher dürfen sich gerne in das beiliegende Gästebuch eintragen. Fotos: brink-medien

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