Politisches Engagement fördern

Blomberg (miw). Nicht nur über sie, sondern mit ihnen sprechen: Die Schülervertretungen sollen zu jedem Ausschuss für Schule, Sport und Kultur eingeladen werden und ein Rederecht erhalten.

Das fordern die Grünen in Blomberg. Schulleiter Michael Hanke und die Schülervertretung des Hermann-Vöchting-Gymnasiums (HVG) begrüßen diese Idee. Ursula König und Monika Ostmeier, Schulleiterinnen der Sekundarschule und der Pestalozzischule, wollen aktuell keine Stellung beziehen, um der politischen Diskussion nicht vorzugreifen, wie sie auf Anfrage der Lippischen Landes-Zeitung erklären.

Die Pandemie habe die Schüler besonders stark getroffen. Deswegen sei es wichtig, dass die Politik nicht nur über die Köpfe der Schüler hinweg entscheidet, sondern ihnen die Möglichkeit gibt, ihre Sicht im Ausschuss zu schildern, heißt es im Antrag der Grünen. »Ich würde es gut finden, wenn die Politiker auch die Meinung der Schüler hören. Sonst können sie diese vielleicht nur erahnen«, sagt Schülersprecherin Celina Stoffels.

Die Zwölftklässlerin gehört mit fünf weiteren Schülern zur Kerngruppe der Schülervertretung am HVG. Gemeinsam setzen sie sich für die Interessen der Schüler ein, organisieren Sportturniere und betreuen weitere Projekte. »Aus meiner Sicht ist es sinnvoll, wenn die Schüler bei den Themen, die die Schule betreffen, die Ausschusssitzungen begleiten«, sagt Hanke.

Dass Kinder und Jugendliche an die Politik herangeführt werden, liege ihm nicht nur als Schulleiter, sondern insbesondere als Lehrer für Politik und Sozialwissenschaften sehr am Herzen. »Ich halte es für enorm wichtig, dass die Schüler lernen, dass man in einer Demokratie Einfluss nehmen kann, und das nicht nur am Wahltag.«

Dies gelte in der Politik genauso wie in der Schule. So nehme die Schülervertretung als demokratisch gewählte Gruppe etwa auch an der Schulkonferenz dem höchsten Entscheidungsorgan der Schule, teil. Sechs Lehrer, sechs Eltern, sechs Schüler: Alle haben dasselbe Stimmrecht. Wer sich politisch interessiert, hat am HVG seit einigen Jahren auch die Möglichkeit, Sozialwissenschaften als Leistungsfach zu wählen, berichtet Hanke.

Dieses Fach sei sehr beliebt und setze sich aus den Disziplinen Politikwissenschaften, Soziologie und Ökonomie zusammen. Auch die anstehende Bundestagswahl wird am HVG in jeder Klasse, in der Politik oder Sozialwissenschaften unterrichtet wird, thematisiert.

Die Schüler der Jahrgangsstufe 12 hatten jüngst die Möglichkeit, ihre Fragen direkt an Bundestagskandidaten im Rahmen einer Podiumsdiskussion in der Schule zu stellen. Die Neuntklässler nahmen an der U18-Bundestagswahl im Jugendzentrum teil.

Für die Fraktion der Grünen ist die Einladung der Schülervertretungen in den Ausschuss eine weitere Möglichkeit, politisches und gesellschaftliches Engagement junger Menschen zu fördern. Die Sitzungen seien zwar grundsätzlich öffentlich, »aber es hat eine andere Wirkung, wenn die Schülervertretungen direkt angesprochen und von Seiten der Verwaltung eingeladen werden«, schreibt die Fraktionschefin Kathrin Versen in dem Antrag.

Die Schülervertreter Celina Stoffels, Rieke Loke, Finn Jonas Tölke, Kyran Isenberg und Emma Meier sowie Schulleiter Michael Hanke (von links) begrüßen den Antrag der Grünen. Foto: Michaela Weiße

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